Thüringer Allgemeine (Sömmerda) 10.02.1992

"FamilienBande" zeigten sich bissig

Marktschänke tischte Satire auf

SÖMMERDA. Was dabei rauskommt, wenn die kleine Schwester des Arche-Dramaturgen ihn überredet, künftig gemeinsam als Kabarett "FamilienBande" selbst auf die Bühne zu steigen, das konnten sich die Besucher der Marktschänke am Freitag abend ansehen. Seit zwei Jahren machen Magdalena Raabe und Bernhard Röhrig gemeinsam Satire und stehen gerade am Übergang von ihrem zweiten zum dritten Programm. In "zweifelhaft einig" nehmen sie die Folgen der Vereinigung und die neue politische Landschaft in Thüringen auf die Schippe. Von der DSU, die bekanntlich schon gegen die DDR war, als es die schon gar nicht mehr gab, bis zum - als Kabarett-Thema wohl unvermeidlichen - Paragraphen 218 reichten die Themen. Zentral- und Glanznummer war aber eindeutig "Thüringen gefällt" in der die Idee, Thüringen könnte dem Beispiel der  baltischen und jugoslawischen Staaten folgen und sich für unabhängig erklären, gnadenlos zu Ende gespielt wird. Auf diese Ebene gehoben werden Nationalismus und Ausländerfeindlichkeit (dann natürlich auch gegen Brandenburger und Niedersachsen) der Lächerlichkeit preisgegeben: "Thüringer! Kauft nicht beim Bayern, nehmt keine Anhalter mit!" - eine Pointe, die übrigens in Sachsen-Anhalt besonders gut ankam.

Von Aachen bis Weißensee waren die satirischen Geschwister schon unterwegs, auch Sömmerda hatten sie im vergangenen Herbst schon einmal besucht. Und weil das befreiende Lachen über die kabarettistisch verfremdeten Alltagsprobleme unheimlich gut tut, kann man nur auf den nächsten Besuch hoffen.

Markus RÖCK

Szenenfoto "zweifelhaft einig"

Bernhard Röhrig und Magdalena Raabe schwingen den Satirebesen in der Marktschänke

TA-Foto: M. RÖCK


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