Ostthüringer Zeitung 15.11.2004
Schöne Aussicht am AbgrundBernhard Röhrig nimmt im Ratskeller Bundes-Reformen aufs Korn |
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Dr. Bernhard Röhrig spart nicht mit Seitenhieben auf die aktuelle Politik (Foto: Heinze)
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| Schmölln (OTZ/Korr.). Dass eine
Stadtverwaltung als Veranstalter eines Solo-Kabaretts fungiert, ist
angesichts knapper Kassen recht selten geworden. In Schmölln war es
möglich. Zwei Tage nach der Ausstellungseröffnung "Maskerade" (OTZ berichtete) gab es einen weiteren Beitrag zur "fünften Jahreszeit". Solokabarettist Dr. Bernhard Röhrig aus der thüringischen Landeshauptstadt führte ein zahlreiches, aufmerksames Publikum zweimal 45 Minuten lang an den Rand unterschiedlichster Abgründe und bewies, dass dort die Aussicht am schönsten ist. Weil die gegenwärtigen Reformen den meisten Bundesbürgern tief in die Taschen greifen, nannte er sie mit Recht "tiefgreifende Reformen". Seit dem Jahr 1981 steht Bernhard Röhrig auf der Kabarettbühne, |
schrieb Songs für andere Solisten, ist
Autor von Computerbüchern, daher auch der akademische Titel. Seit dem
Jahr 1992 erarbeitet er mit mehreren Erfurter Autorinnen und Autoren
abendfüllende Soloprogramme.
Mit höchstens einem Koffer sparsamster Requisiten, schauspielerischem und gesanglichem Talent wurde dieser Abend gestaltet. Der für Kabarett ideal geeignete Schmöllner Ratskeller trug wesentlich zum Erfolg bei. Höhepunkt des ersten Programmteils an diesem Abend war die von ihm in wechselnden Rollen gespielte "Unabhängigkeitserklärung des Freistaates Thüringen". - "Wenn Riga und Tallinn in der Europäischen Union mitmischen, kommt Erfurt ganz klar das gleiche Recht zu", war seine typisch kabarettistische Begründung. |
Aus den zahlreichen solistischen Leistungen seien an dieser Stelle nur einige heraus gegriffen. Sein "Lob des Konsumismus" von Bertolt Knecht, der mit aktuellen Seitenhieben aufgefrischte Kalauer vom Sanitätsgefreiten (N)Heumann" sind einschlägige Beispiele dafür. Der hat übrigens als Verteidigungswaffen nicht nur die Handgranate sondern auch Dieter Bohlens Bücher und sogar die Ich-AG erfunden. Ein Kabarett zu beschreiben, ist genauso unmöglich, wie ein Essen zu malen. Man muss einfach dabei gewesen sein. Einige Einzelplätze im Schmöllner Ratskeller waren noch frei, aber nur einige. Und jene Kabarettfreunde, die gern gekommen wären, die haben zweifellos etwas verpaßt. Eberhard Heinze |
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"Am Abgrund ist die Aussicht am schönsten"