Mitteldeutsche Zeitung (Querfurt) 28.06.1996

Kabarett im Gymnasium

Ein bekennender Ossi
begeisterte Pennäler

Freizeitzentrum hatte Bernhard Röhrig eingeladen

Von Jürgen Rösch

Querfurt/MZ. Nachdem am Vortag bereits das Schulfest für die Schüler des Querfurter Gymnasiums stattfand, konnten etwa 150 Schüler am letzten Schultag noch einen weiteren Höhepunkt erleben. Das Freizeitzentrum Querfurt organisierte in Absprache mit der Schulleitung eine Kabarettveranstaltung, zu der die Zuschauer den bekannten Erfurter Autor, Kabarettisten und Dramaturgen Bernhard Röhrig begrüßen konnten. In den jeweils einstündigen Darbietungen begeisterte er mit Ausschnitten aus verschiedenen abendfüllenden Programmen, so auch aus dem aktuellen Programm »Freizeit oder Brot - ein kleines Machtprogramm«.
Er selbst ist bekennender Ossi. 1951 im katholischen Eichsfeld geboren, hatte er schon mit sechs Jahren den ersten Auftritt vor Leuten, mit 13 die erste Titelrolle in einem mehrstündigen Stück eines Schülertheaters und gründete mit 15 Jahren mit seinen Mit-Azubis sein erstes Kabarett. Seine Vorliebe galt an diesem Vormittag nicht den knallharten

.Pointen, die wie die Faust aufs Auge passen, und auch nicht dem Witze reißen. Er bevorzugte vielmehr die leisen Töne. Somit zwang er das jugendliche Publikum, aufmerksam zuzuhören, um den Hintersinn seiner Wortspiele zu deuten. Wird Thüringen nach der Unabhängigkeitserklärung Republik, König- oder Kaiserreich? Schützen Sonnenschirme aus Blei vor dem Ozonloch? Und was für eine Halbwertzeit hat ein Großvater? So zum Beispiel einige Fragen, mit denen das Publikum konfrontiert wurde. Bei all seinen Vorträgen überraschte er durch eine große Wandlungsfähigkeit und gekonnte Parodien. Ein Mantel, vier Hüte ein Schal, ein Keyboard, eine Gitarre, und schon entstand aus dem Mafiosi aus Palermo ein Showmaster mit holländischem Akzent - in der Rudi-Ratlos-Show oder ein Rapper. Alles in allem: Eine gelungene Veranstaltung für Schüler dieser Altersstufe. Eine Kabarettveranstaltung, bei der der Kabarett-Doktor aus Erfurt mit Dialekten redete, spielte, sang, und rapte und somit die sehr disziplinierten Zuhörer in seinen Bann ziehen konnte.

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