Freies Wort 16. März 2004
| KABARETT IM STADTMUSEUM |
Schwarzer Humor und treffende Pointen"Am Abgrund ist die Aussicht am schönsten" behauptete der Kabarettist Bernhard Röhrig beim Gastspiel in der alten Post |
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VON WOLFGANG SWIETEK Die Bühne, die sich Bernhard Röhrig im Stadtmuseum aufgebaut hat, ist hell und freundlich. Doch sein Humor ist überwiegend schwarz. Er verlangt seinem Publikum einiges ab, ehe die ersten Lacher kommen. Meis bleiben sie dem Zuhörer im Halse stecken. HILDBURGHAUSEN - Noch hat Kabarett im Stadtmuseum keine Tradition. Erst zum zweiten Mal wurde hier zu einer Kabarettvorstellung eingeladen, und das nach einer Pause von mehreren Jahren. Ob es allein daran lag, dass sich der Publikumszuspruch bei dem Erfurter Kabarettisten Bernhard Röhrig in Grenzen hielt, sei dahingestellt. Die da gekommen waren, hatten jedenfalls einen vergnüglichen Abend. Er kommt etwas mürrisch auf die Bühne, der Akteur des Abends. "Man geht ja schon mit schlechtem Gewissen auf Arbeit, bloß weil man noch welche hat", sagt er. Und er arbeitet eine ganze Weile, ehe das Publikum seinen Gedankengängen bereitwillig folgt. Nach Themen muss ein Kabarettist, der sich fast aus- |
schließlich der aktuell politischen Satire verschrieben hat, heutzutage nicht lange suchen. Zuviele Steilvorlagen bekommt er fast täglich von der Politik geliefert, ob von der großen oder der am Wohnort. Und so bleibt bei dem promovierten Bernhard Röhrig auch kaum ein Thema ausgespart, das täglich in den Tageszeitungen zu finden ist. Mag sein, dass deshalb die heitere Stimmung nur schwerlich aufkommen will, weil Röhrig sein Publikum mehr - zunächst
Als fromme Schwester und Polizist ... |
jedenfalls - über den Verstand erreicht als über das Gefühl. Und weil ihn diese gravierenden Probleme offenbar so belasten, dass er ihnen vor allem mit schwarzem Humor begegnet. Da ist befreiendes Lachen nur schwerlich möglich, weil einem das Lachen allzu oft im Halse stecken bleibt. Doch mehr und mehr findet Röhrig zu eigener Spielfreude, lässt seiner kabarettistischen Ader freien Lauf, verwandelt sich mit wenigen Hilfsmitteln in immer wieder andere Figuren - und sofort kommen auch die Lacher aus dem Publikum. "Am Abgrund ist die Aussicht am schönsten" nennt Bernhard Röhrig sein aktuelles Programm. "Aufmerksam und rücksichtslos", wie er selbst seine Sicht auf die Dinge des aktuellen Geschehens bezeichnet, geht er mit seinen Themen um. Und lässt das Publikum in die Abgründe schauen, die er ergründet hat mit seinem Ein-Mann-Unternehmen, dem er den Namen "Ich-Abgrund" gegeben hat. Oder wie es neudeutsch abgekürzt heißt: Ich-AG. Sobald er aufhört, dem Publikum seine schwarze Sicht auf die Dinge zu erklären, sobald er mit |
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Spielwitz groteske Szenen vorspielt, nimmt ihm das Publikum auch seinen schwarzen Humor ab. Die Dinge sind nun mal wie sie sind. Und sie sind so
... als Stadtreporter, als Sänger ... schlimm, dass da leicht ironisches Sticheln nicht mehr hilft. Der schwere Hammer statt der feinen Nadelstiche. Wenn er von seinem Großvater spricht, der ein Leben lang |
neben einem Kernkraftwerk gelebt hat und nun
vermutlich verstrahlt ist, da kommen ihm Ängste, ihn auf einem normalen
Friedhof zu begraben, um die anderen nicht zu gefährden. Da fragt er halt
beim Strahlenministerium an, ob er seinen Großvater nun endlagern muß
oder ihn wieder aufbereiten lassen soll.
Schwärzer geht es eigentlich nicht, doch das Publikum geht mit. Lachend sogar. Die Wirkung kommt später, beim Nachdenken. Langzeitwirkung ist nicht das schlechteste Mittel in der Kunst. "Vorgestern noch DDR-Bürger, gestern schon Deutscher - und heute nun endlich Thüringer", sagt Bernhard Röhrig, nachdem er die Unabhängigkeitserklärung verlesen hat, die Thüringen an Berlin und die UNO geschickt hatte. "Mit der Bratwurst in der Hand stärken wir den Mittelstand." Zur Weltpolitik will Erfurt halt auch seinen (Born-) Senf dazu geben. Die gedanklichen "Was-wäre-wenn-Spielchen" sind ein wesentlicher Baustein des Texters Bernhard Röhrig, der nicht nur die meisten seiner Texte selbst schreibt sondern auch für andere Kabarett-Kollegen die textliche |
Vorlage liefert. Die Bitte, einmal nach
Hildburghausen zu kommen, stammt übrigens noch von Margarete Braungart.
Die damalige Museumsleiterin hatte den Kabarettisten bei einer Vorstellung
in einem Erfurter Museumskeller kennengelernt und ihn um einen Besuch in
Hildburghausen gebeten. Sie hätte bestimmt ihre Freude an diesem Abend
gehabt, waren sich Museumsleiter Michael Römhild und Bernhard Röhrig
nach der Vorstellung einig.
wechselt er ständig die Rollen. |
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"Am Abgrund ist die Aussicht am schönsten"