Eisenacher Presse (Eisenach) 01.10.1996
Kabarettist Bernhard Röhrig spottet bissig, spritzig, witzig
Creuzburg. (ep) Mit seinem dritten Solo-Programm »Freizeit oder Brot« gastierte der Erfurter Kabarettist Bernhard Röhrig am Samstagabend im Festsaal der Creuzburg in Creuzburg. »Köstlich«, applaudierte das etwas spärliche, aber sachverständige und amüsierte Publikum dem Kabarett-Doktor am Ende seines witzigen, argwöhnisch- unterhaltsamen Auftritts zu. Er hatte dem Volk einmal mehr mit viel Verve den Spiegel vor die Nase gehalten.
Siehe: immer weniger Leute arbeiten immer mehr. Die, die nicht mehr arbeiten, haben immer mehr Freizeit. Und Zeit ist Geld, das einem ab und an von Politessen und Politikern abgenommen werde, stellte Röhrig fest. Was tun, wenn einem Kabarettisten mit der Mauer und dem SED-Plenum gleichzeitig das ostzonale »Feindbild« verloren ging? Er stürzt sich kurzerhand auf das Neu-Bundesland Thüringen, auf den Freistaat in seiner vollen Größe und staucht ihn und noch mehr seine Anführer auf »Einheitsgröße« zusammen. Röhrig, der 1991 mit der »FamilienBande« schon einmal in Creuzburg auftrat, schlüpfte in die Rolle des Anarcho-Thüringers, ließ via Nachrichten die »Dichtmachung« des »Grünen Herzen Deutschlands« verkünden, intonierte mit geschwellter Brust die neue Nationalhymne und stellte in Otto-Plagiaterie die neue Nationalflagge vor: weißer Löwe auf weißem Grund »mit sieben oder acht weißen Sternen«.
Vorher hatte sich Röhrig als »cooler« Mafiosi aus Palermo, mit neuem Zweitwohnsitz in Thüringen vorgestellt, als Eiscafé-Besitzer und Schutzgelderpresser mit guten Kontakten zum Paten und |
![]() Mit wenigen Requisiten kam der Erfurter Kabarettist Bernhard Röhrig bei seinem Auftritt in Creuzburg aus. Einige Hüte, einige Schals, Brillen und eine Gitarre. (Foto: Zlotowicz) |
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| zur Verwaltung. In Anlehnung an den
Programm-Untertitel: »Ein kleines Machtprogramm«. Schließlich informiert der wortwitzige Entertainer die »Öffentlichkeit« in einer TV-Konferenzschaltung, daß die Thüringer (VEB-Betriebe) mit Fahnen und Transparenten unterhalb der Domstufen für ihre Unabhängigkeit demonstrieren. |
Die Großveranstaltung verlief friedlich, war zu hören, weil die STASI, die »Saubere Thüringer Allgemeine Sicherheits-Inspektion« alles im Griff hat. Einige Sprechchöre wie: »Althaus in die Denkmalpflege« waren aber zu vernehmen. Ein paar Lehrer müssen auch im Creuzburger Publikum gewesen sein. Die Lacher hatte Röhrig an dieser Stelle jedenfalls auf seiner Seite. | |
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