Freies Wort 07.11.2001
Verwandlungskünstler Dr. Bernhard Röhrig "kitzelte" das Publikum mit seinem frechen und losen Mundwerk FOTO: ANNETT RECKNAGEL
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ihr Fett weg. "Ossis sind
Jammerlappen, di doch zuweilen einen widerlichen Dialekt sprechen."
Was ihn auszeichne, sei seine Sozialstaatsmentalität. "Über Preise
kann man mit Ossis am vernünftigsten reden." Das ganze Jahr über
würden sie auf Sommer- beziehungsweise Winterschlussverkäufe warten.
Jede Ossi-Frau wünsche sich beispielsweise eine neue Küche. Weil die top ausgestattet sein müsse, 20 000 Mark dafür jedoch zu teuer wären, warte die Ossi-Frau auf den Konkurs eines Küchenstudios. In dieser Situation nun schalte sich der Ossi-Mann in das Geschehen ein und erneuere der Ossi-Frau ihre alte DDR-Küche für 1000 Mark. Unterm Strich würden 19 000 Mark gespart. "Wer so auf Geld aus ist, der muss doch krank sein", lautet Röhrigs Schlusskommentar. Genauso nahm er die Thüringer auf die Schippe. "Mit der Bratwurst in der Hand stärken wir den Mittelstand", proklamierte Röhrig und hatte die Lacher auf seiner Seite. Und an die Politiker gewandt, rief er in den Saal: "Den Mist, den ihr macht, können wir Kabarettisten gut gebrauchen." |
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KABARETT
Von Andersriechenden und Jammerlappen |
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| BREITUNGEN
- Als Mafioso überbrachte er brüderliche Grüße von Onkel Antonio. Als
Wessi erschien er im Mantel mit Schal, Mütze, Brille und Ausweistasche.
Als Ossi hatte er sich einen breiten Schlips umgebunden. Als Kabarettist
und Verwandlungskünstler ist Dr. Bernhard Röhrig unschlagbar.
Das registrierte das Publikum - etwa 100 Gäste waren am Samstagabend ins Breitungen Kulturhaus gekommen - gleich nach der ersten Darbietung des Erfurter Kabarettisten. "Sie entschuldigen, dass ich durch die Hintertüre komme, aber so komme ich am liebsten", so seine Begrüßung. Mitgebracht hatte er Höhepunkte aus sieben Jahren Solokabarett. Unter dem Motto "Sieben Jahre frech" machte er sich eingangs über Breitungen lustig. "Da kam ich am Bahnhof an und was muss ich erleben? - Nichts". Sein loses Mundwerk prägte den Abend. Auch seine genial gesetzten Pointen. Seine Kostümierung. Hier fiel insbesondere der grüne Gürtel ins Auge. |
Jede Menge Kopfbedeckungen hingen an einem
Garderobenständer. Nicht zu übersehen war auch die Plastiktüte mit der
Aufschrift - I love Thüringen. Bernhard Röhrig ist ein
Verwandlungskünstler. Nehmen wir zum Beispiel den Wessi. "Trotz
jahrelangen Übens gelingt es mir immer noch nicht, auszusehen wie
er", konstatierte er. "Die riechen schon ganz anders."
Dann schlüpfte er in einen Trenchcoat, warf sich einen Schal lässig um den Hals und stülpte sich einen Schlapphut über. In dieser Staffage erzählte er von seiner Tochter, die mit einem Außerirdischen befreundet sei und der er dies verboten habe. Ein Schimpfgeschwader auf die dritte Art folgte. Zum Schluss präsentierte er sich als Herr Braun, wohnhaft in der Adolf-Harmlos-Gasse, rechte Seite ganz unten, Nummer 33. Und dann wäre da noch der Ossi. (Den spielte Röhrig wirklich perfekt). Freilich bekam auch diese Kategorie erst einmal |
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"Sieben
Jahre frech"