Mitteldeutsche Zeitung 19.05.2001

Foto Veranstaltung/Publikum

Foto B. Röhrig

Heiter, aber nachdenklich ließen sich die Arterner am Donnerstag in der Veitskirche vom Kabarettisten unterhalten.

MZ-Fotos (2): Siegfried. R. KREBS

Wie spät ist es, fragte der Kabarett-Doktor. Viertel nach Eins oder viertel Zwei? Denn an der Antwort erkennt man Ossi und Wessi.

"Mit der Bratwurst in der Hand stärken wir den Mittelstand"

Bernhard Röhrig bot mit "Sieben Jahre frech" in der Veitskirche Kabarett vom Feinsten

Von Siegfried R. Krebs

ARTERN/MZ.

"Wir leben ohne Haushalt. Mal seh'n, wie lang mer's aushalt'", ging Bernhard Röhrig auch auf die Probleme der Salinestadt ein. Später setzte er noch eins drauf; und ließ den Chor der abgewickelten Polizeiinspektion Artern mit einem Rap auftreten. Mit solchen Spitzen potenzierte Röhrig die Begeisterung des Publikums in der Veitskirche für sein neuestes Programm noch. Insgesamt bot der im katholischen Eichsfeld geborene promovierte Linux-Spezialist am Donnerstag Kabarett vom Feinsten. Vor elf Monaten gab er auf Einladung des Kulturvereins "pro arte" in der Veitskirche sein Arten-Debüt.

Heuer stellte der  "Kabarett-Doktor" hier sein Reprisenprogramm "Sieben Jahre frech" vor. Vieles warden Zuhörern schon bekannt, dennoch mußte Röhrig zum Schluß noch etliche da capi geben. Nochmals durfte er mit Inbrunst zur bekannten Haydn-Melodie die Hymne des unabhängigen Freistaates zelebrieren: "Thüringen, nur du gefällst mer, außen rotweiß und innen schwarz".

Hessisch kam der Kabarettist seinen Zuhörern in der "Unheimlichen Begegnung" mit Herrn Braun aus der Adolf-Harmlos-Gasse 33, rechte Seite. Da blieb das Lachen einfach im Halse stecken. 

Doch abgesehen von seinen Ausflügen nach Hessen und Schwaben,

 Thüringen - "Das Land, wo Depressionen blüh'n" - bleibt das große Thema von Bernhard Röhrig. Aufs Korn genommen werden mit spitzer Zunge und kräftiger Sangesstimme die Heimattümelei, doch zugleich spricht er die Probleme des Landes an.  Unbestrittene Höhepunkte des Zwei-Stunden-Programms waren "Ein dreifach Trost" auf den Sanitätsgefreiten Heumann und dessen segensreiche Erfindungen, der Auftritt des Papstes mit dem "Psalm 218" im Bundestag sowie "Thüringen gefällt".

""Thüringen gefällt" ist der Unabhängigkeitserklärung des Landes gewidmet. Dank gewollter Verprecher und gekonnter Sprechverzögerungen sowie origineller Requisiten macht 

Röhrig auf heutige Befindlichkeiten aufmerksam. Unterstützt wird dies durch eine Nachrichten-Konferenzschaltung. Da klingen vielsagende Wortfetzen von einer Jubel-Demo herüber: "Mit der Bratwurst in der Hand stärken wir den Mittelstand" oder "Hoch leben die Thüringer Gerichte - Klöße, Brätel und das Altenburger Skatgericht..."

Doch alles bleibt ganz anders, behauptet der Kabarettist und lässt noch das neue deutsche Bundeslied erschallen. "Ein dreifach Hoch der Größe unserer Kleinheit. Die Nase hoch, die Augen fest geschlossen." Sind wir Thüringer, sind wir Deutschen so? Befreiendes Lachen und Nachdenklichkeit will der Kabarettist erzielen, das ist ihm in Artern erneut gelungen.


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